Diese Webseite verwendet Session-Cookies, die gelöscht werden, sobald Sie die Seite wieder verlassen oder den Browser schliessen.
Wenn Sie durch unsere Seiten surfen, erklären Sie sich mit der Cookie-Nutzung einverstanden.
Mehr Informationen Okay

Direkt zum Seiteninhalt springen Direkt zum Hauptmenü springen Direkt zur Suche springen

INFORMIEREN

Veröffentlicht am: 07.08.17

Kinderschutz und Kinderrechte in der digitalen Welt

Worum geht’s?

Kinder wachsen mit dem Internet auf! Das ist knapp 30 Jahre, nachdem der Wissenschaftler Tim Berners-Lee 1989 im World Wide Web-Projekt den ersten Internetbrowser entwickelte und damit den Grundstein für ein Internet für alle legte, eine Tatsache. Für Kinder und Jugendliche ist der virtuelle Spielplatz Internet ebenso fest im Alltag verankert wie der Bolzplatz und das Klettergerüst in der Nachbarschaft. Gefährdungen, denen Kinder in ihrem realen Umfeld begegnen können, sind für uns greifbar und wir versuchen, Kinder zu begleiten und für die Auseinandersetzung mit Gefahren stark zu machen. Aber wenn es darum geht, dass Kinder gut mit Medien aufwachsen, ist es schwieriger, die Risiken einzuschätzen. Wie können wir Kindern den Zugang zum Internet ermöglichen und sie zu einem sicheren und verantwortungsbewussten Umgang damit erziehen?

Alles hat seine Zeit

Die unterschiedlichen Nutzungsgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen bilden sich entlang ihrer persönlichen Entwicklung aus. Das Zentrum für Kinderschutz im Internet (I-KIZ) hat sich mit der Frage befasst, was Kinder in welchem Alter mit Medien tun und bewältigen können, und das Modell des „Intelligenten Risikomanagements“ entwickelt. Das Modell zeigt, dass Gefährdungen im Internet für Kinder je nach Alter unterschiedlich einzuschätzen sind. Für die Altersgruppe unter sechs Jahren sollten Risiken soweit wie möglich ausgeschlossen werden. Technische Jugendschutzprogramme 1 helfen zu verhindern, dass jüngere Kinder ungeeignete Inhalte im Netz zu sehen bekommen. Positive Online-Erfahrungen werden den Kleinsten durch kindgerecht gestaltete Webseiten eröffnet. Hier können sie begleitet durch Eltern und Fachkräfte erste Schritte ins Internet unternehmen.

Im Alter von sechs Jahren beginnt mit dem Erwerb der Lesefähigkeit ein allmählicher Ablösungsprozess von der Familie. Freundschaften zu Gleichaltrigen und Beziehungen zu Institutionen wie Schule oder Verein werden wichtiger. Durch die zunehmende Kommunikation mit anderen steigt aber auch das Risiko unangemessener Kontakte im Netz. Herkömmliche Jugendschutzprogramme können dazu beitragen, dass Kinder dieser Altersgruppe nicht mit ungeeigneten Inhalten konfrontiert werden. Für den Schutz vor Interaktionsrisiken - wie zum Beispiel die Preisgabe persönlicher Daten gegenüber fremden Personen in einem unmoderierten Chat - sind sie nicht tauglich.

Ab einem Alter von etwa neun Jahren müssen Kinder schrittweise lernen, selbst technische Schutzmechanismen in Internetangeboten zu nutzen. Dazu gehören zum Beispiel leicht verständliche und einfach zu bedienende Melde- und Beschwerdemöglichkeiten. Medienkompetenz zur selbstständigen Bewältigung von schwierigen Situationen im Netz spielt nun eine immer größere Rolle. Jugendschutzsoftware, die den Zugang zu bestimmten Inhalten technisch beschränkt, wird von Jugendlichen eher als Herausforderung wahrgenommen. Sie versuchen - meist erfolgreich - das Schutzinstrument zu umgehen. Für ältere Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahre sind daher Risikoreduzierung und medienpädagogische Befähigung zum (Selbst-) Risikomanagement die empfohlenen Mittel.

Kinderrechte respektieren

Die UN-Kinderrechtskonvention (UN-KRK) ist genauso alt wie das World Wide Web und wichtig für ein gutes Aufwachsen mit Medien. 1989 durch die Vereinten Nationen verabschiedet, betont sie Rechte von Kindern und gewährt ihnen besonderen Schutz. Für viele pädagogische Fachkräfte sind die Kinderrechte Grundlage ihres täglichen Handelns. Auch für Eltern ist die Verantwortung für den Schutz von Kindern wichtig, dabei die Kinderrechte zu respektieren ist nicht so einfach. Haben Kinder ein „Recht auf Internet“ und falls ja, ab welchem Alter? Eltern müssen hier eine persönliche Entscheidung treffen und die Entwicklung des Kindes sowie sein soziales Umfeld dabei berücksichtigen. Das Internet eröffnet Kindern neue Chancen und bietet ihnen zahlreiche Möglichkeiten, ihre Rechte auszuüben: Kinder können das Recht auf freie Meinungsäußerung online leichter wahrnehmen. Auch für das Recht auf Versammlung und Vereinigung sowie für das Recht auf Teilhabe und Spiel bietet das Internet viele Möglichkeiten. Angebote, wie die Webseite Internet-ABC helfen jüngeren Kinder dabei, das Netz zu erkunden und gewährleisten gleichzeitig das in Artikel 16 der UN-KRK verankerte Recht auf Privatsphäre und Datenschutz. Ältere Kinder und Jugendliche machen ihre positiven und manchmal auch negativen Erfahrungen auf Social Media Plattformen. Sie müssen mit Medienkompetenz für diese digitale Welt gerüstet sein.

Ein Drahtseilakt in einer drahtlosen Welt

Scheinbar mühelos und - seitdem sich Smartphones in fast jeder Kinderhosentasche befinden - oftmals außerhalb des elterlichen Aufsichtsbereichs bewältigen Kinder den Umgang mit ständig neuen digitalen Angeboten. Diese drahtlose Digitalisierung des Alltags stellt für uns alle eine große Herausforderung dar, zumal in den Köpfen von Eltern und pädagogischen Fachkräften oft noch das Bild einer „heilen Welt“ ohne Medien verankert ist. Dieses Bild muss man nicht aufgeben, aber akzeptieren, dass gutes Aufwachsen heute auch Aufwachsen mit Medien bedeutet. Dann kann man Kinder dabei informiert und verständnisvoll begleiten.



[1] Eine Auswahl technischer Jugendschutzprogramme und Bewertung ihrer Tauglichkeit für verschiedene Altersgruppen und Geräte ist zu finden unter http://sipbench.eu


Jutta Croll, Projektleitung „Kinderrechte digital“ im Auftrag des Initiativbüros
Logo: Gutes Aufwachsen mit Medien

Drucken
facebook twitter Diesen Beitrag teilen