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Veröffentlicht am: 08.11.17

Filme mit Kindern inklusiv gestalten

Filme erzählen Geschichten mit Bildern. Doch diese sind nicht immer für jeden verständlich. Sehbehinderte oder blinde Menschen können Handlungsstränge, die nur über visuelle Bilder dargestellt werden, nicht wahrnehmen. Die Geschichte bleibt somit lückenhaft. Eine Lösung dafür ist die Audiodeskription. Darunter versteht man die Erläuterung wichtiger visueller Sequenzen durch eine Hintergrundstimme.

Filme mit solch einer Audiodeskription finden sich im Fernsehprogramm, aber auch beim Hamburger Kurzfilmfestival Klappe auf!, das vom 10.-12. November 2017 stattfindet. Es versteht sich als „inklusives Filmfest“ und bietet alle Filme mit Audiodeskription an. Untertitel sowie das Angebot von Gebärdensprach- sowie Schriftdolmetscherinnen und -dolmetscher komplettieren das inklusive Angebot des Filmfests.

Üblicherweise wird eine Audiodeskription im Rahmen der Filmproduktion erstellt. Aber auch mit Kindern und Jugendlichen lassen sich Audiodeskriptionen herstellen und ihnen damit einen Einblick in die Funktion von Sprache, Geräuschen und Bildern in Filmen geben. An der Duisburger LVR-Johanniterschule, einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Sehen, wurde solch ein Projekt durchgeführt. Es eignet sich ebenfalls für den regulären Schultyp oder kann auch in Inklusionsklassen gewinnbringend umgesetzt werden.

Dr. Barbara Kamp von Methode Film begleitete die Erstellung der Audiodeskription und gibt Hinweise zur Durchführung von Audiodeskriptionsprojekten:

Frau Dr. Kamp, welche Filme eignen sich besonders gut für ein Audiodeskriptions-Projekt?

Damit die Teilnehmenden einen Film vollständig beschreiben können, sollten die ausgewählten Filme nicht zu lang sein. Wir haben gute Erfahrungen mit Filmen zwischen 10 und 20 Minuten gemacht. Für erste Versuche nimmt man am besten einen Film, der noch kürzer ist.

Wie viel Zeit muss man einplanen, um mit einer Schulklasse die Audiodeskription für einen Kurzfilm zu erstellen?

Wir haben vier Tage mit jeweils drei Zeitstunden gearbeitet. Einen Tag Vorbereitung und Ausprobieren: Viele sehende, aber auch beeinträchtigte und blinde Schülerinnen und Schüler wissen nicht, was eine Audiodeskription ist. Es geht also zunächst einmal darum, ihnen bewusst zu machen, wie Filme funktionieren.

Die Textproduktion ist das Aufwändigste und umfasst zwei Tage. Die Sprachaufnahmen einen weiteren Tag. Nachbearbeitung und Mischung erfordern weitere Zeit und wurden bei uns nicht mit den Schülerinnen und Schüler erstellt. In der Schule sollte man dafür einen weiteren Tag einplanen.

Welche technischen Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Für die Erarbeitungsphase ist es sinnvoll, den Film gemeinsam auf einer großen Leinwand sichten zu können. Die wiederholte Sichtung in Kleingruppen und Texterstellung kann über Laptops erfolgen. Für die Tonaufnahmen benötigt man einen Laptop, ein Mikrofon und ein Audio-Interface (Hardware zur Mikrofonverstärkung und zum Monitoring), damit die Audiodeskription als getrennte Tonspur angelegt werden kann. Anschließend wird sie mit dem Originalton gemischt, das heißt eine zweite Stimme schildert parallel zum Originalton das Geschehen. Falls diese Ausrüstung nicht zur Verfügung steht, kann man auch mit einfachen Mitteln die Audiodeskription direkt auf den Originalton sprechen.

Was lernen Schülerinnen und Schüler bei diesem Projekt über das Medium?

Sie lernen, dass Film ein Medium ist, das zusätzlich zu den Bildern viele andere Möglichkeiten nutzt, um die Zuschauer zu erreichen: Sprache, Geräusche, Musik. Weiter bemerken die Teilnehmenden, dass eine Audiodeskription ein Text ist, der wie ein Film gut gestaltet sein muss. Sie üben sich im Sprechen.

Weitere Informationen

  • ausführlicher Projektbericht 2015 unter anderem mit Lernzielen und Leitfragen
  • Projektwebseite Junge Filmbeschreiber
  • Klappe auf!, Inklusives Kurzfilmfestival
    Alle Filme des Festivals werden mit Untertiteln und Audiodeskription vorgeführt.
  • DOK Leipzig, Für eine Auswahl von Filmen stehen Untertitel und erweiterte Untertiteln über die App STARKS zur Verfügung und Audiodeskriptionen über die App GRETA.
Quelle: Dr. Barbara Kamp, Methode Film im Gespräch mit dem Initiativbüro

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