Vorwort

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der Newsletter des Initiativbüros „Gutes Aufwachsen mit Medien“ informiert Sie regelmäßig über praktische Tipps für den Medieneinsatz in pädagogischen Einrichtungen, Hintergrundinformationen zur Medienbildung und über aktuelle Themen und Studien. Außerdem empfehlen wir Ihnen praktisches Material und qualitative Kinderwebseiten sowie bundesweite interessante Veranstaltungs- und Qualifizierungsangebote, die in den kommenden Monaten anstehen.

Unsere zweite Ausgabe widmet sich vor allem dem Thema „Vielfalt der Medienpraxis in Kita, Schule und Freizeit“. In der PDF-Version zum Ausdruck finden Sie eine Kurzdarstellung der Artikel, so dass sie in Länge und Lesbarkeit für unterwegs handhabbar sind. Die Artikel in vollständiger Länge können Sie auf den Webseiten des Initiativbüros im Bereich Informieren lesen. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und beim Entdecken der Möglichkeiten für die praktische Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Ihr Team des Initiativbüros „Gutes Aufwachsen mit Medien“

Ratgeber

Was machen Jugendliche eigentlich den ganzen Tag im Netz?

Plakat: Expedition ins Neuland - Jugendliche im Sozialraum Netz

Junge Menschen verbringen sehr viel Zeit im Internet. Laut der JIM-Studie aus 2015 sind es bei den 12-19 Jährigen 3,5 Stunden täglich. Dabei lesen sie nicht nur Webseiten und schauen Videos, sondern sind aktiv im Austausch mit Gleichaltrigen. Welche Angebote Jugendliche im Internet nutzen oder wo die Faszination an Angeboten wie SnapChat, Selfies und Sexting liegt, bleibt Erwachsenen oft verborgen. Eine Weiterbildung für pädagogische Fachkräfte zum Thema „Sozialraum Internet“ bietet das ServiceBureau Jugendinformation Bremen in Zusammenarbeit mit der Bremischen Landesmedienanstalt an.

Das ServiceBureau Jugendinformation ist eine gemeinnützige Einrichtung im Land Bremen mit den Arbeitsschwerpunkten Medienpädagogik & Jugendmedienschutz. Es verfolgt mit seiner Arbeit das Anliegen, Erwachsenen einen Zugang zu jugendlichen Medienwelten zu ermöglichen, Chancen und Risiken aufzuzeigen und Erziehende mit Kindern und Jugendlichen ins Gespräch zu bringen. Sabine Heimann ist Diplom-Soziologin, Mitarbeiterin im ServiceBureau und hat die Weiterbildung „Sozialraum Internet“ konzipiert und durchgeführt.

Frau Heimann, was ist eigentlich der „Sozialraum Internet“?

Es geht darum, dass das Internet nicht einfach nur ein Medium zum Konsumieren von Inhalten ist, sondern auch ein Handlungsraum, in dem wir anderen Menschen begegnen, Beziehungen pflegen und miteinander kommunizieren - ebenso wie in der „stofflichen“ Welt, in der wir uns mit unseren Körpern bewegen.

Viele Erwachsene können der digitalen Lebenswelt Jugendlicher nicht folgen. Was bietet das Internet Jugendlichen, an dem wir Erwachsene nicht oder nur eingeschränkt teilhaben?

Jugendliche befinden sich einfach in einer anderen Phase ihres Lebens. Sie haben andere Aufgaben zu bewältigen als Erwachsene und nutzen das Internet nach ihren Bedürfnissen. In der Pubertät geht es darum, selbständiger und unabhängiger von den Eltern zu werden und das Internet bietet einen entsprechenden Freiraum. Jugendliche sind auf der Suche nach ihrer eigenen Identität, sie müssen sich ein eigenes Wertesystem aufbauen. Beziehungen zu Gleichaltrigen sind dabei sehr wichtig, denn hier finden Aushandlungen statt. Soziale Netzwerke bieten Jugendlichen einen Raum, der bei den Entwicklungsaufgaben unterstützen kann: Hier kann man sich und seine Meinung darstellen, sich Rückmeldungen von anderen einholen, Werte aushandeln, nach Gleichgesinnten suchen und sich orientieren und Selbstwirksamkeit erfahren.

Welche Webangebote und Apps sind für Jugendliche derzeit besonders spannend und warum?

Da gibt es eine ganze Reihe und die Gründe sind unterschiedlich. Für den kurzen Draht zu Freunden und die zielgerichtete Kommunikation mit Einzelnen oder auch mit festgelegten Gruppen ist WhatsApp ziemlich wichtig. YouTube ermöglicht Jugendlichen, sich zeitunabhängig nach persönlichen Interessen ein eigenes Programm zusammen zu stellen. Die Video-Plattform hat mittlerweile eine ganze Reihe von Stars hervor gebracht, die vielen Erwachsenen unbekannt sind. Mit Snapchat oder Instagram kann man sich kreativ austoben, mit Freunden vernetzen oder sich auch je nach persönlichen Interessen informieren lassen. Im Augenblick sieht man im Straßenbild außerdem viele junge Menschen, die ihren Blick auf ihr Smartphone richten - sie spielen Pokémon Go.

Bei welchen Formaten sehen Sie Gefahren, welche Formate sind interessant für Meinungsaustausch und Interaktion und welche fördern womöglich das Engagement und die Selbstbestimmung und Teilhabe von Jugendlichen?

Das hängt weniger von den Formaten ab, sondern vielmehr von der Frage wie kompetent und verantwortungsbewusst die Nutzung erfolgt. Prinzipiell jedes Soziale Netzwerk erlaubt Interaktion und Meinungsaustausch zwischen den Teilnehmenden, bietet also auch Potential für Engagement und Teilhabe. Zudem findet man im Netz zu nahezu jedem Thema Informationen, beste Voraussetzungen also für das selbständige Aneignen von Wissen, das dann wiederum zur Ausbildung einer eigenständigen Meinung beitragen kann.

Sie führen Weiterbildungen zum Sozialraum Internet mit Fachkräften der Jugendarbeit durch. Welche Gründe haben die Fachkräfte, um am Kurs teilzunehmen?

Fachkräfte nehmen an unseren Kursen teil, weil sie mehr über die Lebenswelt der Jugendlichen erfahren möchten. Das Interesse richtet sich dabei weniger auf das Kennenlernen einzelner Dienste oder Formate - es geht vielmehr um das Verstehen der Beweggründe und Bedürfnisse der Jugendlichen beim Aufwachsen in der „digitalen Welten“.

Teilnehmer auf der Abschlussveranstaltung eines Kurses

Wie bringen Sie den Seminarteilnehmenden das Thema näher? Welche Methoden nutzen Sie, wie war bisher die Resonanz auf das Seminar?

Unser Kurs ist ein sogenannten "Blended-Learning" Format und besteht aus mehreren Modulen, die jeweils zu verschiedenen Themen Texte, Filme und/oder Aufgaben beinhalten. Die Teilnehmenden bearbeiten diese selbstständig und zeitunabhängig online und reflektieren diese anschließend gemeinsam in der Präsenzphase im Kurs. Die Resonanz ist dabei positiv, die Teilnehmerenden melden zurück, dass die Methode aufgrund der freien Zeiteinteilung ein sehr intensives Eintauchen in das Thema erlaubt.

Was raten Sie Erwachsenen insbesondere im Umgang mit Jugendlichen und deren Medienkonsum?

Zunächst einmal sollten Erwachsene Sensibilität für die besondere Lebensphase der Jugendlichen und deren Herausforderungen entwickeln. Teenager „daddeln“ nicht einfach an digitalen Geräten, sondern nutzen diese u.a. als ein Werkzeug für ihre Identitätsfindung. Wenn man sich dafür interesseriert, was Jugendliche eigentlich am Smartphone oder Tablet machen, fragt man sie am besten mit Offenheit und Neugier persönlich, denn sie selbst sind die Expertinnen und Experten.

Wann findet das nächste Seminar statt und wie kann man sich anmelden?

Der nächste Kurs findet ab dem 26. Januar 2017 im Auftrag von klicksafe, der EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz, statt. Weitere Informationen zu Kurs und Anmeldung finden Sie auf www.klicksafe.de. Im Gegensatz zu den Kursen, die wir in Kooperation mit der Bremischen Landesmedienanstalt anbieten, wird dies aber eine reiner E-Learning und kein Blended-Learning-Kurs sein. Heißt: es wird keine Präsenzveranstaltungen geben.

Veranstaltungshinweise

10. Nov 2016 | 17-20 Uhr

Ort: Berlin

Beim Fachabend „Medienbildung gemeinsam gestalten“ werden Möglichkeiten der lokalen Vernetzung vorgestellt, wie Schulen und Medienexperten aus der außerschulischen Bildung zusammenarbeiten können.


16. Nov 2016 | 09-17 Uhr

Ort: Bremen

Durch die Fortbildung „Ene Mene Mikrofon“ erhalten ErzieherInnen praktische Anregungen zum Einsatz von digitalen Medien in der Förderung frühkindlicher Bildung.


16. Nov 2016

Ort: Berlin

Ziel der Weiterbildung „Film ab – Erstellung eines Trickfilms“ ist es, PädagogInnen zur Entwicklung eigener Ideen für die Trickfilmarbeit mit Kindern und Jugendlichen anzuleiten.


21. Nov 2016 | 09-16 Uhr

Ort: Berlin

Die Fortbildung „Digitale Lebenswelten - posten, liken, sharen“ informiert über soziale Netzwerke sowie das Web 2.0. und vermittelt praktische Anregungen digitale Medien in der Arbeit mit Jugendlichen zu integrieren.


21. Nov 2016 | 09-16 Uhr

Ort: Freising

In dem Kurs „Bloßgestellt im Netz – Planspiel zur Präsentation von Cybermobbing“ erhalten pädagogische Fachkräfte viele praktische Tipps und Anregungen zum Umgang mit Cybermobbing.


28. Nov 2016 | 10-16:30 Uhr

Ort: Düsseldorf

Der „Tag der Medienkompetenz“ widmet sich extremen Phänomenen der digitalen Welt: Neben Hass, Hetze und religiösem Extremismus geht es auch um kreative, präventive und innovative Zugänge.



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