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Initiativ- und Servivebüro Gutes Aufwachsen mit Medien

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Veröffentlicht am: 29.11.18

Deine Daten - Meine Daten: Worauf bei Sozialen Medien in der Kinder- und Jugendhilfe zu achten ist

Schnell eine Nachricht zur Terminplanung an die Jugendlichen verschicken oder ein Bild vom gemeinsamen Schulausflug teilen: Smartphones und Soziale Medien erleichtern auch für pädagogische Fachkräfte die Planung und den Alltag. Sie können kreativ eingesetzt werden und die Arbeit ergänzen. Zugleich hat die pädagogische Fachkraft als Vorbild aber auch Verantwortung für die Verwendung der Daten und die Mediennutzung der Kinder und Jugendlichen. Im folgenden Interview bespricht die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Nadia Kutscher (Universität zu Köln) die Nutzung Sozialer Medien in der Kinder- und Jugendhilfe.

Welche Bedeutung hat das Smartphone für Jugendliche im Alltag?

„Smartphones sind mittlerweile fester Bestandteil der Lebenswelt von Jugendlichen und Erwachsenen. Ich betone das, weil wir oft nur auf die Jugendlichen blicken, die Erwachsenen daran aber mindestens ebenso beteiligt sind. Erwachsene wie Jugendliche haben sich an die vielen Nutzungsmöglichkeiten und den Komfort mobiler Medien in ihrem Alltag - zum Beispiel WhatsApp, Facebook, Instagram, YouTube und Google Maps - gewöhnt.

Für Fachkräfte ist es sinnvoll, sich für die Mediennutzung der Jugendlichen zu interessieren. So können sie deren Handeln verstehen und begleiten. Das heißt zum Beispiel zu versuchen zu verstehen, was Jugendliche daran interessiert, wenn sie dauernd Dinge posten, sich auf eine bestimmte Weise darstellen oder YouTuber toll finden. Es geht darum, die damit verbundenen Bedürfnisse und Gefühle anzuerkennen und als Ausgangspunkt für Unterstützung wahrnehmen zu können.“

Wie können Fachkräfte die Möglichkeiten von Sozialen Medien in der Kinder- und Jugendhilfe praktisch nutzen?

„Digitale Medien bringen viele Möglichkeiten mit sich: man kann leicht mit Menschen in Kontakt treten und sie am eigenen Leben teilhaben lassen. Als pädagogische Fachkraft ist es möglich, auf kurzem Weg mit Jugendlichen Dinge zu klären: Informationen austauschen, Terminabsprachen, schnelle Kontaktaufnahme, kurz fragen, wie es geht - und das alles nah am jugendlichen Alltag.

Fachkräfte können mit YouTube-Videos kreativ und kurzweilig Dinge erklären. Instagram wird gerne genutzt, um Aktivitäten mit Fotos zu dokumentieren und damit Öffentlichkeitsarbeit zu machen. Jugendliche und Eltern können sich auf dieser Grundlage informieren.“

Wo liegen die Herausforderungen?

„Es ist bequem, über WhatsApp zu schreiben, über Instagram Fotos zu teilen oder Filme auf YouTube als Informationsquelle zu nutzen. Die Möglichkeiten sind jedoch unweigerlich mit problematischen Seiten verknüpft: sobald ich einen dieser Dienste nutze, gebe ich die Kontrolle über meine eigenen Daten aus der Hand - an große Unternehmen wie Facebook oder Google. Man könnte nun sagen: ‚Okay, ich habe die Verantwortung für meine eigenen Daten und das ist meine Entscheidung.‘ Das große Problem ist aber, dass man gleichzeitig auch die Daten anderer preisgibt. Menschen, die meine Kontaktdaten auf dem Smartphone haben, geben im Rahmen ihrer WhatsApp-Nutzung meine Daten an Facebook weiter - obwohl ich selbst keinen der Dienste von Facebook nutze. Das ist ein ernstes Problem. Dazu gibt es auch schon Gerichtsurteile die zeigen, dass das nicht in Ordnung ist. Dieser Verantwortung über die Daten anderer sollte man sich als Fachkraft bewusst sein.“

Worauf sollten Fachkräfte achten, wenn sie über WhatsApp mit ihren Schützlingen, ob mit einzelnen oder in Gruppen, kommunizieren?

„Ich empfehle, wenn überhaupt, WhatsApp nur für den ersten Kontakt zu nutzen. Man muss den Jugendlichen klarmachen, dass man als Fachkraft in der Verantwortung für die Daten der Jugendlichen steht und dementsprechend mit ihnen umgehen muss. Dafür muss ich mich auf Auseinandersetzungen mit den Jugendlichen einlassen und mich auch etwas mit dem Thema auskennen. Ich sehe die Fachkräfte in der Pflicht, sich selbst und die Jugendlichen genau zu informieren, was es heißt, diese Dienste zu nutzen und wo welche Daten entstehen und weitergegeben werden. Nur so haben sie eine ausreichende Grundlage um zu entscheiden, ob sie diese Dienste nutzen wollen.“

Weitere Informationen:

  • Dokumentation Nothing to Hide (2016) über staatliche und kommerzielle Überwachung
  • klicksafe - die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz
  • Surfer haben Rechte: Eine Webseite, die über Verbraucherschutz im Internet informiert
  • Chaos macht Schule: Ein Projekt des Chaos Computer Clubs, mit dem Ziel Schüler, Eltern und Lehrer in den Bereichen Medienkompetenz und Technikverständnis zu stärken
  • netzpolitik.org thematisiert wichtige Fragestellungen rund um Internet, Gesellschaft und Politik
Quelle: Prof. Dr. Nadia Kutscher, Professorin für Erziehungshilfe und Soziale Arbeit an der Universität zu Köln, im Gespräch mit dem Initiativbüro

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