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Veröffentlicht am: 31.07.19

Wie lebt es sich als Elternbloggerin? - Patricia Cammarata (Das Nuf) über Humor, Gemeinschaft und Geschichten im Netz

Von Influencer*innen und Blogger*innen ist überall die Rede. Aber wie kommt man eigentlich zum Bloggen, wie geht das überhaupt und wie lebt es sich als Blogger*in? Wir sprachen mit Patricia Cammarata. Sie ist Bloggerin, Autorin und Podcasterin und beschäftigt sich auf ihrem Blog Das Nuf mit dem Thema Kinder und digitale Medien. Hier berichtet Sie aus ihrem Leben als Bloggerin.

Wie bist du Bloggerin geworden?

Ich hatte immer ein großes Mitteilungsbedürfnis. Schon im Zeugnis der 1. Klasse stand: „Patricia weiß stets etwas zu berichten“. Ebenso gerne wie ich Geschichten erzählt habe, habe ich sie zu Papier gebracht. Als es einfacher wurde ins Internet zu schreiben, habe ich angefangen meine Geschichten ins Netz zu stellen. Aus einigen wenigen Leser*innen sind schnell Tausende und dann Zehntausende geworden.

Wie entscheidest du dich, worüber du schreiben möchtest?

Ich habe immer das Gefühl, dass die Themen zu mir kommen. Ich habe ja auch schon gebloggt, bevor Kinder da waren. Aber als dann die Kinder da waren, habe ich gemerkt, dass zu Themen, die uns im Alltag beschäftigen, nur wenig in Büchern zu finden war.

Familienblogs sind eine super Möglichkeit, um für Alltagsprobleme Lösungen zu finden. Sie können auf die Vielfalt von Familiensituationen eingehen, viel besser als Ratgeberliteratur. So gibt es Blogs von Alleinerziehenden (wie Mama arbeitet von Christine Finke), Blogs von Regenbogenfamilien (wie Frau Papa von Nina Jaros) oder von kinderreichen Familien (wie Frische Brise von Carola Ferch).

Man lernt durch die Lektüre die anderen Lebensweisen, Herausforderungen und auch Gemeinsamkeiten kennen, kann sich austauschen oder einfach nur still mitlesen. Schreibt man selbst zu bestimmten Themen, kann man über den Austausch in den Kommentaren unterschiedliche Lösungsansätze oder einfach nur Solidarität erfahren. Am Ende gilt „geteiltes Leid ist halbes Leid“ und allein das tut schon gut. Zu wissen, dass man nicht alleine ist.

Und wie stellst du dich selbst und deine Kinder dar?

Was das Präsentieren meiner Kinder im Blog angeht, war für mich der Schutz ihrer Privatsphäre schon immer ein Gebot. Wenn ich über Familienleben schreibe, gibt es meist einen konkreten Anlass, zu dem sich eine Geschichte entwickelt. So leiden nahezu alle Eltern in der Babyphase an Schlafmangel. Auch meine Kinder haben wenig und v.a. nur wenige Stunden am Stück geschlafen. Über das, wie ich mich damit fühle, schreibe ich dann eine Geschichte, die möglichst lustig ist. Wobei ich darauf achte, dass ich mich über mich selbst lustig mache, nicht über meine Kinder. Humor hilft Stress zu verarbeiten.

Je älter meine Kinder geworden sind, umso mehr halte ich Rücksprache mit ihnen. Wenn ich schreibe, ist es mir wichtig, dass meine Kinder immer nochmal auf den Text gucken, sich wohl damit fühlen und die Beiträge kennen. Ähnliches gilt für die Veröffentlichung von Kinderfotos im Netz. Auch da achte ich die Privatsphäre meiner Kinder und lasse mir Fotos freigeben.

Aber ich plädiere eben auch dafür, dass Kinder im Netz sichtbar sind. Das Netz ist Abbild der Gesellschaft und zur Gesellschaft gehören Kinder. Ein Netz ohne Kinder(-fotos) fände ich gruselig. Wichtig dabei ist aber, in welcher Art und Weise Kinderfotos im Netz gepostet werden. Das eigene Posten zu reflektieren und mit den Kindern zu besprechen, ist Teil der Medienerziehung. So lernen sie, was okay ist und was nicht. Sodass sie irgendwann selbst verantwortungsvoll mit Inhalten im Netz umgehen.

Wie bewertest du selbst den gesellschaftlichen Einfluss und die gesellschaftliche Rolle und Verantwortung von Influencer*innen?

Ich glaube, dass Influencer*innen einen großen Einfluss auf unser Leben haben. Das lässt sich gut an dem Onlinespiel „Fortnite“ beobachten, das unter anderem deshalb so populär geworden ist, weil es viele junge Profi-Fußballer spielen. Bei einem Fußballspiel feiern sie ihre Tore mit Tänzen aus dem Spiel. Das hat natürlich eine große Wirkung auf die Fans, die ihren Vorbildern nacheifern.

Das Gleiche gilt für Elternblogger*innen. Auf Instagram sehe ich, dass sie eine sehr große Vorbildfunktion haben. Das betrifft unter anderem Schönheitsbilder. Auch ich selbst merke, dass die Themen und Kommentare einen Einfluss auf mich haben. Wenn man zum Beispiel online nie Frauen mit grauen Haaren sieht, denkt man irgendwann, dass man heutzutage ja auch keine weißen Haare mehr haben muss. Influencer*innen nehmen natürlich auch auf Kaufentscheidungen Einfluss. Durch die Anpreisungen von Produkten wecken sie das Bedürfnis, das Produkt ebenfalls besitzen zu wollen. Es gibt zwar Studien, die zeigen, dass Kinder und Jugendliche Werbung von Influencer*innen zum Teil gut erkennen können. Dennoch wird bei ihnen das Interesse für ein beworbenes und empfohlenes Produkt geweckt, wenn sie einen Internetstar sympathisch finden und als Vorbild sehen.

Zum Glück ist die Einflussnahme aber nicht nur oberflächlich und werberisch. Viele Influencer*innen nutzen ihre Reichweite auch um auf politische und gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. Ohne das Internet würde ich mich heute nicht als Feministin sehen und hätte mir viel weniger Gedanken über Gleichberechtigung, Vereinbarkeit und die Rolle der Frau in der Gesellschaft gemacht.

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