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Initiativ- und Servivebüro Gutes Aufwachsen mit Medien

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Veröffentlicht am: 17.11.20

Hass im Netz - nicht mit mir!

Schimpfwörter, Beleidigungen und abwertende Kommentare fallen nicht nur auf dem Schulhof, im Supermarkt oder in der Arbeit. Auch im Netz werden Menschen mit Hass, Anfeindungen und Hetze konfrontiert. Jede*r fünfte Jugendliche*r gibt an, dass schon falsche oder beleidigende Inhalte über die eigene Person online verbreitet wurden, wie die aktuelle JIM-Studie zeigt. Wie äußert sich Hass im Netz? Wie können Kinder und Jugendliche deeskalierend kommunizieren und welche Strategien gegen Hass im Netz gibt es? Wie kann das Thema Hassrede in der medienpädagogischen Arbeit aufgegriffen werden? Darüber sprachen wir mit dem Medienpädagogen Heiko Wolf, der zum Thema Hass im Netz in Workshops und Fortbildungsveranstaltungen mit Jugendlichen und pädagogischen Fachkräften arbeitet.

Was ist Hass im Netz?

Hassrede - auch als Hate Speech (englisch = Hassrede) bezeichnet - bezieht sich auf abwertende, beleidigende, menschenverachtende oder volksverhetzende Sprache und Inhalte, mit denen Einzelpersonen oder Menschengruppen bewusst angegriffen und abgewertet werden. Dazu zählt auch, wenn gegen Menschen zu Hass, Gewalt und Hetze aufgerufen wird. Werden Menschen als Gruppen aufgrund bestimmter Merkmale wie zum Beispiel ihrer Religion, ihrer sexuellen Orientierung, ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, ihrer Zugehörigkeit oder ihrer politischen Einstellung bedroht, abgewertet und ausgegrenzt, spricht man von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Hass im Netz äußert sich vor allem durch Worte, Bilder und Videos, insbesondere in sozialen Netzwerken, Messenger-Diensten und Kommentarspalten von Online-Medien. Durch die Möglichkeit, im Netz anonym zu bleiben und kein direktes Gegenüber zu haben, sinkt die Hemmschwelle, Hate Speech im Netz zu verbreiten. „Hassrede missachtet die Würde von Menschen. Beleidigung, Verleumdung und üble Nachrede können strafrechtlich verfolgt werden“, erläutert Heiko Wolf.

Eng verknüpft mit Hassrede ist auch die Verbreitung von Falschnachrichten und Lügen, die genutzt werden, um Menschen abzuwerten und auf vorhandenen Vorurteilen aufzubauen. „Hier ist es wichtig, Heranwachsende dafür zu sensibilisieren, Beiträge stets kritisch zu reflektieren, Quellen und auch Bilder und Videos auf ihre Echtheit zu überprüfen. Oft werden Dinge auch verkürzt dargestellt und es entstehen so ganz andere Aussagen“, sagt Heiko Wolf.

Gegen Hass im Netz - Methoden in der medienpädagogischen Arbeit

Es gibt unterschiedliche Ansätze und Methoden, um für das Thema Hass im Netz zu sensibilisieren. Grundsätzlich fängt ein respektvoller und wertschätzender Umgang bei der Sprache an. Heranwachsende, aber auch Erwachsene selbst, sollten sich dessen bewusst sein. In Bezug auf Jugendsprache besteht die Schwierigkeit darin, dass diese manchmal auch von Wörtern geprägt ist, die als Schimpfwörter verwendet werden, obwohl sie ursprünglich eine andere Bedeutung haben oder sich auf eine Gruppe von Menschen beziehen, die durch die Zweckentfremdung des Wortes abgewertet werden. „Wenn ich mit Jugendlichen zum Thema Hass im Netz arbeite, sprechen wir auch über Begriffe, die in bestimmten Situationen einfach gebraucht werden und reflektieren dann gemeinsam, warum die Verwendung problematisch sein kann. Es geht darum zu zeigen, wo Grenzen liegen und was wichtige Grundsätze für einen fairen und respektvollen Umgang (im Netz) sind“, erklärt Heiko Wolf.

Die Sensibilisierung für das Thema Hate Speech geht damit einher, junge Menschen zu befähigen und zu stärken, Strategien gegen Hass im Netz zu kennen und anzuwenden. „In der medienpädagogischen Praxis bedeutet das, Jugendlichen möglichst niedrigschwellig Werkzeuge an die Hand zu geben“, sagt Heiko Wolf. Dazu gehört, zu wissen, dass jede*r Hasskommentare bei Plattformbetreibern oder Beschwerdestellen wie zum Beispiel jugendschutz.net, oder Hassmelden melden kann. Erste Hilfe erhalten Betroffene von Hate Speech bei Beratungs- und Anlaufstellen wie jugend.support und der Nummer gegen Kummer. Auch das Wissen, wie Störer*innen - zum Beispiel im Chat - geblockt werden können, ist wichtig zu vermitteln. „Zentral ist es, Heranwachsende auch dahingehend zu stärken, sich an Freund*innen, Eltern, Lehrer*innen oder andere Vertrauenspersonen zu wenden, um gemeinsam und nicht alleine gegen Hass im Netz vorzugehen“, betont Heiko Wolf. Zudem sollte Jugendlichen vermittelt werden, dass Botschaften, die Menschen beleidigen und abwerten nicht einfach leichtfertig geteilt werden dürfen, weil dann zum einen Hass weiterverbreitet und unterstützt wird und zum anderen auch Shitstorms (englisch, aus shit=Scheiße und storm=Sturm) entstehen können.

Um Hate Speech im Netz zu thematisieren, eignet es sich zudem, Rollenspiele mit Jugendlichen durchzuführen. „In den Rollenspielen, die ich simuliere, gibt es ein soziales Netzwerk und verschiedene Rollen, die die Jugendlichen dann einnehmen“, erklärt Heiko Wolf. Zum Beispiel gibt es die Rolle des Internet-Trolls, der mit seinen Aussagen gezielt und bewusst provoziert, die Rolle des Angegriffenen oder die Rolle des Social-Media-Managers. Ziel ist es, zu verstehen, was Hassrede mit Menschen macht, was man dagegen tun kann, wenn man selbst Betroffene*r ist oder mitbekommt, wenn jemand mit Hate Speech konfrontiert wird.

Strategien gegen Hass im Netz

Wer Hassbotschaften erhält oder bei anderen mitbekommt, dass sie von Hate Speech betroffen sind, sollte versuchen sachlich und deeskalierend zu reagieren. Nicht immer ist das einfach, gerade wenn man wütend oder verletzt ist. „Bei deeskalierender Kommunikation ist es auch wichtig zu verstehen, wie es zu einer bestimmten Situation kam und entsprechend sachlich nachzufragen, was Anlass und Grund für eine bestimmte Äußerung waren. Gleichzeitig ist es ratsam, sachlich zu bleiben und zu versuchen, die Emotionen rauszunehmen“, sagt Heiko Wolf.

Zudem kann mit Gegenrede auf Hassbotschaften reagiert werden. Bei der Gegenrede - auch Counter Speech (englisch = Gegenrede) genannt - geht es darum, nachzufragen, sachlich mit faktenbasierten Argumenten aufzuklären und Falschnachrichten offenzulegen, sowie zu entkräften und problematische Aussagen zu thematisieren. Tipps und Tricks Hassbotschaften zu entgegnen, bieten einige Projekte und Initiativen. Darunter die vom Europarat initiierte Kampagne „No Hate Speech Movement“, die auf ihrer Webseite auch Fakten und Argumente bereitstellt. Zudem kann auf Memes - Bilder mit kommentiertem Text - zurückgegriffen werden, um mit Humor als Mittel auf Hassbotschaften zu reagieren. Gegenrede trainieren und an Aktionen gegen Hass im Netz teilnehmen, kann man auch über die Trainings- und Aktionsplattform Love-Storm. „Für Jugendliche interessant ist vor allem auch das Netzwerk „Reconquista Internet“, weil das über den Onlinedienst discord läuft, der von jungen Menschen gerne genutzt wird“, erläutert Heiko Wolf. Das Netzwerk will mit gezielten Aktionen auf menschenverachtende Äußerungen aufmerksam machen und setzt sich für digitale Zivilcourage ein.

Bei heftigen beleidigenden oder diskriminierenden Angriffen gegen die eigene Person rät Heiko Wolf auch dazu, sich durch Rückzug zu schützen: „Dann ist es wichtig - auch wenn das vielleicht schwer fällt - sich aus Selbstschutz aus Diskussionen zurückzuziehen und den*die Angreifer*in zu blockieren, Kommentare unter eigenen Beiträgen zu löschen und zu melden.“

 

Mehr Informationen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bettina Goerdeler, Initiativbüro
Quelle: Heiko Wolf, freier Medienpädagoge

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