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Initiativ- und Servivebüro Gutes Aufwachsen mit Medien

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Veröffentlicht am: 07.12.20

Fakt oder Fake? - Was Bibliotheken tun können, um Heranwachsende für das Thema Fake News zu sensibilisieren

Ein Thema und viele Fragezeichen. Wer heute Informationen zu einem bestimmten Thema sucht, recherchiert meistens zuerst im Netz, welches ein vielfältiges Angebot bereitstellt. Doch angesichts der Menge an Informationen ist es nicht immer leicht, diese zu filtern und deren Relevanz und Wahrheitsgehalt zu erkennen. Gerade in der aktuellen Zeit werden viele Gerüchte und Fake News (englisch= gefälschte Nachrichten) zur Corona-Pandemie verbreitet, die verwirren, verängstigen und Misstrauen säen. Daher ist es besonders wichtig, dass auch Kinder und Jugendliche für das Thema Fake News sensibilisiert werden, damit sie souverän Informationen kritisch hinterfragen und einordnen können. Was Fake News genau sind, wie sie erkannt werden und welche medienpädagogischen Ansätze Bibliotheken verfolgen können, um Medien- und Informationskompetenzen von Kindern und Jugendlichen zu stärken, erläutert Andreas Langer in diesem Interview. Er ist Medienpädagoge in der Büchereizentrale Schleswig-Holstein.

 Was sind Fake News und wie funktionieren diese?

Die Frage ist in der heutigen Zeit gar nicht mehr so einfach zu beantworten. Nachrichten oder Informationen werden von Menschen durchaus unterschiedlich wahrgenommen und die Wahrnehmung steht in Abhängigkeit vieler verschiedener Faktoren wie zum Beispiel dem Alter oder der individuellen Lebenssituation.
Grundsätzlich lässt sich von Fake News sprechen, wenn es sich dabei um erfundene, falsche oder auch stark aus dem Kontext gezogene Informationen handelt, die mit einer manipulativen Absicht und häufig digital verbreitet werden. Der Antrieb dahinter kann vielfältig sein und reicht vom Recherchefehler über die persönliche bis hin zur politisch motivierten und geplanten Absicht. Diese Informationen verbreiten sich dabei ganz im Sinne der digitalen Kommunikation am besten über soziale Netzwerke und haben somit eine schnellere und einfachere Möglichkeit viral zu gehen, also sehr viele Menschen in kürzester Zeit zu erreichen.

 Was hilft, um Fake News und gefakte Videos und Bilder zu erkennen?

Es gibt eine Menge Hilfsmittel und Werkzeuge, mit denen man sich beschäftigen kann und die helfen können, Fake News zu entlarven. Bilder können im Hinblick auf ihre Echtheit über eine Bilderrückwärtssuche überprüft werden. Dies ist zum Beispiel über die Webseite von „Tineye“ möglich, allerdings ist die Bilderrückwärtssuche längst auch schon in den gängigen Suchmaschinen vorhanden. Fake-Videos zu erkennen ist schon deutlich schwieriger, aber hier hilft es häufig schon, den Titel des Videos und den Begriff „Fake“ in eine der gängigen Suchmaschinen einzugeben, um Informationen über den Wahrheitsgehalt zu bekommen. Auch verschiedene Projekte wie zum Beispiel „Mimikama“ oder „Correctiv“ haben es sich zur Aufgabe gemacht, über gefälschte Inhalte in Social Media zu berichten und aufzuklären. Ein Problem bleibt dabei jedoch bestehen: Was ist, wenn ich noch gar kein Gefühl für digitale Informationen entwickelt habe - entweder, weil ich nicht in der heutigen digitalen Zeit aufgewachsen bin oder, weil ich vielleicht noch nicht so alt bin?

Noch vor der Anwendung nützlicher Werkzeuge steht die eigene Medien- und Informationskompetenz, die wir im besten Fall in der Schule und anderen Bildungseinrichtungen vermittelt bekommen und durch unsere Eltern erwerben. Denn auch die besten Hilfsmittel sind nicht wirkungsvoll einsetzbar, wenn Menschen nicht die Kompetenz besitzen, sie in ihrer Funktion zu verstehen und auch auf andere Bereiche zu übertragen. Daher ist es wichtig, zu lernen, Informationen kritisch zu hinterfragen, um sie entsprechend einordnen zu können. Eine zentrale Frage, die man sich dabei stellen sollte, lautet: „Kann das wirklich stimmen, ist diese Information wirklich so vorstellbar und möglich?“
Übrigens: Im nicht digitalen Kontext lernen wir schon im Kindesalter den Wahrheitsgehalt von Informationen anhand von Gestik, Mimik und Sprache des Senders einzuschätzen und abzuleiten. Wir müssen lernen, diese Fähigkeit im Laufe des Lebens auf digitale Informationen zu übertragen. Je früher damit angefangen wird, desto besser.


Was können Bibliotheken tun, um Heranwachsende bei der Erkennung von Fake News zu unterstützen?

Bibliotheken fördern mit ihren vielfältigen Angeboten Medien- und Informationskompetenzen, auch häufig in tollen Kooperationen und Projekten mit Schulen und Jugendeinrichtungen. Zum Thema „Fake News“ gibt es das von der Büchereizentrale Schleswig-Holstein entwickelte Planspiel „Die Fakehunter“ für Schüler*innen ab der siebten Klasse. Ziel ist es, ein kritisches Bewusstsein für digitale Informationen zu entwickeln und Werkzeuge kennenzulernen, die helfen, Fake News zu erkennen.

Gerade erst neu erschienen ist das Angebot „Die Fakehunter junior“ für Kinder der vierten und fünften Klassen. Eingebunden in eine spannende Geschichte decken die teilnehmenden Kinder gemeinsam vermeintliche Fake News auf, die die Erwachsenen in der Gemeinde Seedorf in Aufruhr versetzt hat. Möchte man die beiden Planspiele nutzen, dann kann man sich einfach an die örtliche Bibliothek wenden. Wir haben mittlerweile schon sehr viele Bibliotheken zur Durchführung der Planspiele geschult. In der Praxis lassen sich beide Versionen des Planspiels variabel gestalten. Zum Beispiel kann das Spiel in zwei Unterrichtsstunden oder an mehreren Tagen eingesetzt werden. Auch Online-Varianten sind möglich. In der Junior-Variante gibt es sogar die Möglichkeit sich die Geschichte als Hörspiel anzuhören. Es ist uns wichtig, dass unsere Planspiele so flexibel wie möglich gestaltet sind und unter der Creative Commons Lizenz herausgegeben werden. Dadurch bleiben die Bibliotheken flexibel und können die bereitgestellten Materialien so anwenden, wie es in ihrem oder im Kontext der jeweiligen Schule am besten passt. Wir möchten damit so viele Menschen wie möglich erreichen.

Neben unseren Angeboten gibt es natürlich noch viele weitere tolle Angebote im Bereich Fake News, die es sich lohnt anzuschauen: Das Augmented Reality Spiel „Escape Fake“ oder auch das Browserspiel „Get bad news“ halte ich zum Beispiel für tolle und spannende Werkzeuge, um Heranwachsende weiter für das Thema zu sensibilisieren.

Wie können Eltern ihre Kinder dabei unterstützen, Fake News zu erkennen?

Wir bringen unseren Kindern zwanzig oder noch mehr Jahre bei, sich im Straßenverkehr, in der Gesellschaft und im Leben zurecht zu finden. Genauso selbstverständlich sollten wir ihnen auch beibringen, sich im digitalen Raum zu bewegen. Dazu gehört auch, dass Eltern ihre Kinder dabei unterstützen, ein Gefühl dafür zu entwickeln, welche Informationen und Beiträge echt sein könnten und welche nicht. Wichtig ist es hier, offen und gemeinsam darüber zu sprechen und zu reflektieren, was Falschnachrichten sind und wie sie erkannt werden können. Auch Erwachsenen fällt es nicht immer leicht, gefälschte von vertrauenswürdigen Beiträgen zu unterscheiden. Ziel sollte es sein, unsere Kinder zu mündigen und eigenverantwortlichen Menschen erziehen. Dazu gehört auch, demokratische und soziale Werte sowie Einstellungen zu vermitteln und zu fördern, die sich dann auch im Medienalltag von Kindern und Jugendlichen widerspiegeln.

 Weitere Informationen:

  • Wie Fake News erkannt werden können und welche Angebote es für Kinder, Jugendliche und Erwachsende zu diesem Thema gibt, haben wir in diesem Artikel erläutert, der insbesondere auch das Thema Corona und Fake News thematisiert.
  • Zum Thema „Fake News“ können sich Jugendliche auf der Plattform jugend.support informieren, die Informationen, Tipps und Beratungsangebote bereitstellt.
  • Schau Hin erläutert in diesem Artikel, wie Eltern ihre Kinder für das Thema „Fake News“ sensibilisieren können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bettina Goerdeler, Initiativbüro "Gutes Aufwachsen mit Medien"
Quelle: Andreas Langer, Medienpädagoge, Büchereizentrale Schleswig-Holstein

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